Im Prozess

Wo stehen wir im Prozess?
Menschen können sich leichter einbringen, wenn sie sich an einem Zeitplan oder einer Tagesordnung orientieren können. Sie möchten wissen, was gerade passiert, was als Nächstes kommt und was bereits erledigt ist. Wer den gesamten Ablauf kennt, versteht besser, wann und wie ein Beitrag hilfreich ist.
Wenn später eine Fragerunde vorgesehen ist, können die Teilnehmenden ihre Fragen während eines Vortrags zurückhalten. Wenn klar ist, dass erst Ideen gesammelt und danach Lösungen ausgewählt werden, springen sie weniger schnell zu einer Lösung. Menschen müssen wissen, welche Beiträge zu welchem Zeitpunkt gefragt sind.
Um den Ablauf verständlich darzustellen, müssen Moderierende ihn vollständig durchdenken. So können sie prüfen, ob jeder Schritt einen Zweck hat und die Schritte zusammenpassen. Eine gut moderierte Zusammenarbeit folgt einem nachvollziehbaren Ablauf.
Auf Loomio
- Eine Entscheidung auf Loomio folgt bereits einem einfachen Ablauf: Menschen zusammenbringen (eröffnen und einladen), diskutieren (Ideen öffnen), einen Vorschlag machen (Ideen bündeln), entscheiden und handeln (ein Fazit ziehen).
- Viele Menschen nutzen Loomio im Rahmen eines klar geplanten Ablaufs, etwa für einen mehrstufigen Beratungsprozess.
- Gruppenbeschreibung und Fristen für Vorschläge helfen Moderierenden, den Ablauf sichtbar zu machen. Damit können sie den Teilnehmenden frühzeitig mehr Kontext geben.
Die Kunst des Wahrnehmens
Wahrnehmen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten bei der Moderation. Wer moderiert, beobachtet, welche Unterstützung oder Reaktion nötig ist, welche Beiträge gefragt sind und was die Gruppe über sich selbst erkennen kann. Während andere sich auf Inhalte oder eigene Anliegen konzentrieren, achtet eine moderierende Person auf das Geschehen und handelt entsprechend.
Gutes Wahrnehmen braucht verlässliche Informationen und die Fähigkeit, sie einzuordnen. Viele Moderierende sprechen davon, einen Raum zu „lesen“: emotionale Reaktionen, Spannungen und Machtverhältnisse. Dafür brauchen sie klare Hinweise auf das Geschehen.
Auf Loomio
- Viele Funktionen helfen dabei, Entwicklungen wahrzunehmen. Besonders deutlich zeigt das Kreisdiagramm eines Vorschlags, wie sich die Stimmen verteilen.
- Die Software zeigt unter anderem, wer sich bereits beteiligt hat, welche Themen aufkommen und wer eine Einladung zur Gruppe angenommen hat.
- Auf Loomio kann eine moderierende Person Dutzende Diskussionen zugleich verfolgen, erkennen, was geteilt wird, und darauf reagieren.
- Online werden Dinge, die sonst unausgesprochen bleiben, oft ausdrücklich benannt. Dadurch sind sie leichter wahrzunehmen.
- Schriftliche Kommunikation hilft dabei, Beobachtungen und die Gründe für eine Reaktion zu erklären. Du kannst zum Beispiel die genauen Worte einer Person zitieren und beschreiben, was sie erkennen lassen. Du kannst auch Zitate aus einer ganzen Diskussion zusammenstellen und auf gemeinsame Themen oder entstehende Konflikte hinweisen.
- Wahrnehmen fällt leichter, wenn der Austausch langsamer wird. Das ist ein Vorteil von Loomio: Du kannst asynchrone Beiträge in deinem eigenen Tempo lesen. Du kannst auch Entwicklungen über längere Zeit verfolgen und direkt auf frühere Diskussionen Bezug nehmen.
- Weil mehrere Diskussionen gleichzeitig stattfinden können, ist neben den eigentlichen Diskussionen auch eine Diskussion über den Gesprächsverlauf möglich. In diesem Raum kann die Gruppe gemeinsam üben, Entwicklungen wahrzunehmen, während die übrigen Diskussionen weitergehen.
Unterschiedliche Stimmen hören
Geschichte, Machtverhältnisse, Kultur und Psychologie wirken zusammen: Manche Stimmen bekommen mehr Gewicht, andere werden überhört. Das zeigt sich auf allen Ebenen, von unbewussten Überzeugungen bis zu politischen Institutionen und Gesetzen.
Die besten Ideen kommen jedoch nicht immer von den lautesten Stimmen. Moderation kann solchen Verzerrungen entgegenwirken. Wer soziale Gerechtigkeit, wirksame Gruppenarbeit und gute Entscheidungen anstrebt, muss diese Dynamiken erkennen.
Wenn du Neues entwickeln willst, musst du Raum für unterschiedliche Sichtweisen schaffen. Das brauchst du auch für ein Team, in dem sich alle einbringen können. Kulturelle und technische Faktoren geben manchen Stimmen mehr Gewicht als anderen. Mit verschiedenen Methoden kannst du dieser Verzerrung gezielt entgegenwirken. Schon das Bewusstsein dafür ist ein guter Anfang. — Richard Bartlett
Jeder Mensch erlebt die Welt aus der eigenen Perspektive. Deshalb vergessen wir leicht, dass andere sie anders erleben. Selbst in einer Gruppe, die einheitlich erscheint, gibt es große Unterschiede bei Sichtweisen, Tempo und Vorlieben. Anzuerkennen, dass andere anders sind als man selbst, ist eine wichtige persönliche Aufgabe.
Eine einzige Form der Zusammenarbeit passt nicht für alle. Jede Art des Austauschs gibt manchen Stimmen mehr Raum und anderen weniger. Sie kann auch unterschiedliche Seiten einer Person hervorbringen. Verschiedene Ansätze sind nötig, damit viele Menschen ihre besten Beiträge einbringen können.
Prüfe, ob du unterschiedliche Lernweisen berücksichtigst. Dabei hilft das Bild von Kopf, Herz und Händen. Menschen, die mit dem Kopf lernen, brauchen Fakten und genaue Informationen. Wer mit dem Herzen lernt, spricht auf Geschichten an und braucht eine emotionale Verbindung zur Arbeit. Mit den Händen zu lernen bedeutet, selbst etwas zu tun und aktiv zu werden. — Silvia Zuur
Unterschiedliche Stimmen kommen besser zur Geltung, wenn du verschiedene Formen des Austauschs anbietest. So berücksichtigst du unterschiedliche Bedürfnisse und Vorlieben und erleichterst allen die Beteiligung.
Diese bewährten Gestaltungselemente helfen, unterschiedlichen Kommunikationsweisen in der Zusammenarbeit Raum zu geben:
- Gruppengröße — Nachdenken für sich allein, Zweiergespräche, kleine Gruppen, große Gruppen, Gespräche zwischen zwei Personen, von einer Person zu vielen oder zwischen vielen Personen.
- Ausdrucksform — Schreiben, Zeichnen, Video, Singen, Tanzen, Flussdiagramme, Gleichungen, Symbole, Geschichten, Tränen, Lachen, Debatten und mehr.
- Gesprächsregeln — Runden (jede Person kommt einmal zu Wort, bevor es weitergeht), begrenzte Redehäufigkeit (du sprichst erst wieder, nachdem zwei andere gesprochen haben), Redestab (nur wer den Stab hat, spricht; niemand unterbricht), zeitlich begrenzte Beiträge (du hast eine Minute), Beiträge ohne Zeitlimit (du kannst sprechen, solange du möchtest, und alle hören aufmerksam zu), Erfassen der Redeanteile (etwa wie viel Frauen und Männer gesprochen haben), stille Pausen zwischen Beiträgen (zum Verarbeiten und Nachdenken).
- Stille zulassen Stille ist nur unangenehm, wenn du sie dazu machst. Sie gibt Menschen Zeit zum Nachdenken. — Silvia Zuur
Auf Loomio
- Loomio wurde mit dem Ziel gestaltet, alle Stimmen hörbar zu machen. Dazu gehören auch Menschen, die nicht vor Ort sein können, leiser sind oder wenig Zeit haben.
- Im Text haben alle Stimmen ungefähr die gleiche „Lautstärke“ und „Geschwindigkeit“. Schriftlicher, asynchroner Austausch kann Unterschiede beim Zugang zum Gespräch verringern.
- Die Vorschlagsfunktion ähnelt einer Gesprächsrunde. Sie hilft Gruppen dabei, jeder Person die gleiche Gelegenheit zu geben, sich zu äußern, wenn sie das möchte.
- Loomio unterstützt verschiedene Medien wie Links, Videos, Bilder, Diagramme und ergänzende Belege. Das kommt unterschiedlichen Kommunikationsweisen entgegen.
- Loomio selbst bietet einfache Funktionen. Mit aktiver Moderation und gemeinsam vereinbarten Regeln lassen sich Gesprächsregeln auch von Hand umsetzen. Beispielsweise könnte jede Person erst einen Beitrag schreiben, nachdem alle anderen Gelegenheit dazu hatten.
- Mit Gruppen und Untergruppen bietet Loomio flexible Möglichkeiten für kleine und große Gruppen. Bei manchen umfangreichen Beratungsprozessen arbeiten mehrere kleinere Gruppen zunächst getrennt. Ihre Beiträge fließen später in ein gemeinsames Fazit ein.
- Wer Zeit zum Nachdenken braucht, kann eine Pause machen, die eigenen Gedanken ordnen und später einen längeren Kommentar oder einen Link zu einem Dokument teilen. So können sich persönliches Nachdenken und Austausch in der Gruppe ergänzen.
- Funktionen zur Barrierefreiheit und Übersetzungen in viele Sprachen ermöglichen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, sich gleichberechtigt an einer Diskussion zu beteiligen. Das ist bei einem Treffen vor Ort kaum in gleichem Maß möglich.
- Wenn eine Person sehr viel schreibt, können andere an ihren Beiträgen vorbeiscrollen. Bei einem Treffen vor Ort kann sie das Gespräch stärker beherrschen. Sehr lange Beiträge können aber auch auf Loomio eine ausgewogene Diskussion erschweren.
Kognitiven Verzerrungen entgegenwirken
Das menschliche Gehirn hat sich über Millionen von Jahren entwickelt. Es verbindet schnelles, zweckmäßiges Denken mit langsamer, aufwendiger Analyse. So können wir uns meistens auf Erfahrung, Faustregeln und Verallgemeinerungen stützen und bei Bedarf gründlicher nachdenken.
Manchmal führt uns das in die Irre. Es gibt bekannte Denkfehler, die gute Entscheidungen erschweren. In Gruppen wird das noch komplexer. Diese Dynamiken müssen wir im Blick behalten.
Es gibt viele kognitive Verzerrungen (diese Liste ist lesenswert). Sie alle können Entscheidungen und Zusammenarbeit beeinflussen. Moderation kann helfen, sie sichtbar zu machen und bewusster mit ihnen umzugehen. Eine hilfreiche Frage lautet zum Beispiel: Wann ist eine schnelle Entscheidung wichtiger und wann eine genaue?
Strukturierte Abläufe und klare Kommunikation können kognitiven Verzerrungen entgegenwirken und Entscheidungen verbessern. Ein festgelegter Ablauf fordert uns heraus, statt des einfachsten Wegs andere Möglichkeiten zu prüfen. Dadurch werden Denkfehler und Vorannahmen sichtbar. Moderierende regen manchmal bewusst Schritte an, die Widerstand auslösen, weil die Gruppe dafür vertraute Denkmuster verlassen muss. Diese Anstrengung kann einer Gruppe helfen, ihre Ziele zu erreichen.
Beispiele für Abläufe, die kognitive Verzerrungen verringern können:
- De Bonos Hüte: Verschiedenfarbige Hüte stehen sinnbildlich für unterschiedliche Denkweisen. Die Teilnehmenden können damit Abstand von ihrer eigenen Meinung nehmen und andere Sichtweisen ausprobieren.
- Checklisten: Vertraute Denkmuster lassen uns selbst offensichtliche Dinge übersehen, besonders in Bereichen, die wir gut kennen. Eine Checkliste hilft, Fehler zu vermeiden.
- Die fünf Warum-Fragen: Wer nur ein- oder zweimal nach dem Warum fragt, hält eine Antwort vielleicht schon für die Ursache des Problems. Fünfmal nachzufragen hilft, ihr auf den Grund zu gehen.
- Denkmodelle: Übungen wie die SWOT-Analyse, das Business Model Canvas und andere strukturierte Verfahren zur Informationssammlung helfen dir, Annahmen offenzulegen und genauer zu analysieren.
Auf Loomio
- Unterschiedliche Informationen und Beiträge können Annahmen und Verzerrungen infrage stellen. Das gehört zum Grundgedanken von Loomio: Wenn sich mehr Menschen gleichberechtigt an einer Diskussion beteiligen können, sinkt die Gefahr des Gruppendenkens.
- Auf Loomio können Teilnehmende konstruktiv widersprechen. Ein sicherer Raum für Widerspruch und dessen Wertschätzung fördern kritisches Denken.
- Asynchrone schriftliche Kommunikation verlangsamt das Gespräch. Menschen haben mehr Zeit, Beiträge zu überdenken und Denkfehler zu vermeiden.
- Loomio bietet einen teilweise strukturierten Ablauf, der überlegte Entscheidungen unterstützt. Es eignet sich für viele verschiedene Prozesse. Schon etwas Struktur in einer Diskussion eröffnet weitere Möglichkeiten.
Offene und bündelnde Phasen ausbalancieren
Der „Diamant“ beschreibt, wie sich ein Gespräch erst öffnet und dann wieder bündelt. Zunächst entsteht Raum für Ideen, Informationen und unterschiedliche Sichtweisen. Danach führt das Gespräch auf einen Punkt zu. Der richtige Zeitpunkt für diesen Übergang ist entscheidend, wenn eine gemeinsame Diskussion zu konkretem Handeln führen soll.

Wenn die offene Phase fehlt oder zu früh endet, fehlen wichtige Informationen. Menschen fühlen sich möglicherweise nicht gehört, und gute Ideen bleiben unausgesprochen. Wenn die bündelnde Phase fehlt oder zu spät beginnt, kann die Diskussion endlos weitergehen, ohne zu einem umsetzbaren Fazit zu führen. Das kostet die Teilnehmenden Energie, ohne ein Ergebnis zu bringen.
Auch innerhalb der einzelnen Phasen kommt es auf den richtigen Zeitpunkt für einen Eingriff an. Zur offenen Phase gehören Einführung, Klärung und das Entwickeln von Ideen. Zur bündelnden Phase gehören Analyse, Fazit und Verbindlichkeit. Für manche Diskussionen reicht der Diamant als grobe Orientierung. Andere profitieren davon, jede Phase genau zu planen.
In einer Gruppe bevorzugen einzelne Menschen meist eher die offene oder die bündelnde Phase. Auch die Gruppe als Ganzes kann zu einer Seite neigen. Ein Ungleichgewicht zeigt sich etwa darin, dass die Gruppe zu lange frei über Möglichkeiten nachdenkt oder zu schnell Lösungen festlegt. Moderation hilft, beiden Phasen genügend Raum zu geben.
Auf Loomio
- Der grundlegende Ablauf auf Loomio führt Gruppen durch beide Phasen: Diskussionen öffnen den Raum, Vorschläge bündeln ihn. Der Diamant war eine wichtige Anregung für die ursprüngliche Gestaltung dieses Ablaufs.
- Loomio erlaubt Gruppen, flexibel zwischen den Phasen zu wechseln. Ein Vorschlag kann zum Beispiel neue Meinungsverschiedenheiten sichtbar machen. Die dadurch geklärten Informationen helfen, einen besseren Vorschlag zu entwickeln.
- Grundlegende Funktionen unterstützen beide Phasen. Benachrichtigungen über neue Diskussionen laden Gruppenmitglieder ein, Ideen einzubringen. Fristen für Vorschläge regen dazu an, sich an der Entscheidung zu beteiligen.
- Mit den vorhandenen Funktionen können Gruppen die bündelnde Phase einleiten, indem sie einen Vorschlag starten. Gruppen, die Vorschläge sinnvoll nutzen, kommen oft gut voran. Manchmal hilft schon der Hinweis, häufiger Vorschläge zu machen, wenn eine Gruppe feststeckt.
Den Umfang festlegen
Gute Zusammenarbeit hängt oft davon ab, Aufgaben in passende Teile zu zerlegen und sie in der richtigen Reihenfolge anzugehen.
Du kannst die Moderation wie ein Projekt planen und dabei Fragen wie diese stellen:
- Welche Schritte hängen voneinander ab? Was muss zuerst geschehen, damit anderes möglich wird?
- Was ist am wichtigsten? Was kann weggelassen werden?
- Welchen Umfang können wir mit der verfügbaren Zeit, Energie und Information bewältigen, um zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen?
Versuche nicht, alles auf einmal zu lösen. Teile die Arbeit in überschaubare Schritte auf. Mehrere kleine Schritte können zu einem größeren Ergebnis führen. Oft ist es besser, etwas Kleines und Nützliches zu erreichen, als zu keinem Fazit zu kommen. Wer sich zu sehr in Details verliert, übersieht womöglich die größeren Fragen.
Bei einer Zusammenarbeit weiß niemand genau, was entstehen wird. Deshalb muss sich der Umfang mit der Diskussion entwickeln. Ob ein neuer Zweig gerade ablenkt oder die Arbeit voranbringt, musst du abwägen. Zu starre wie auch zu flexible Grenzen können schaden. Häufig geht es weniger darum, ob etwas relevant ist, sondern darum, wann und in welcher Reihenfolge es am meisten beiträgt.
Wenn du eine Sitzung mit mehreren verknüpften Teilen planst, die aufeinander aufbauen und zu einer lebensverändernden Erkenntnis führen sollen, ist es großartig, wenn das gelingt. Häufiger dauert eine komplexe Sitzung jedoch länger als geplant und geht an den Wünschen und Bedürfnissen der Teilnehmenden vorbei. - Silvia Zuur
Eine Reihe kleiner Zustimmungen
Zu viele Gespräche zusammenzufassen schafft Verwirrung. Gruppen, die nicht weiterkommen, hilft es oft, die Fragen aufzuteilen. Wenn ein Thema aussichtslos, komplex oder umstritten erscheint, kannst du einzelne Fragen herauslösen und dazu Einigkeit finden. Beginne mit dem, worüber sich alle leicht einigen können. Anschließend kannst du die strittigen Punkte auf ihren Kern reduzieren und gezielt bearbeiten.
Auf Loomio
- Thematisch getrennte Diskussionen helfen, den Umfang klar zu halten. In Loomio lässt sich der Fokus auf eine bestimmte Frage oft besser wahren als in einem Gespräch vor Ort. Andere Aspekte können gleichzeitig in anderen Diskussionen behandelt werden.
- Häufig greifen Nutzerinnen und Nutzer moderierend ein, etwa mit: „Das gehört nicht zu diesem Thema. Möchtest du dazu eine neue Diskussion starten?“
- Eine Loomio-Gruppe zu erstellen hilft zu klären, wer dazugehört und worüber die Gruppe sprechen möchte. So können die Teilnehmenden den Umfang ihrer Gespräche besser einschätzen.
- Loomios aufeinanderfolgende Vorschläge eignen sich gut für eine Reihe kleiner Zustimmungen. In einer Diskussion könnt ihr einzelne Vereinbarungen treffen, den Zusammenhang bewahren und auf früheren Vorschlägen aufbauen.
- Bei zeitversetzter Online-Kommunikation können manche Menschen ein Thema weit vertiefen, ohne andere aufzuhalten. Sie können eine neue Diskussion oder Untergruppe starten, während die Hauptgruppe bei ihrem Thema bleibt.
- Die Beschreibung einer Diskussion und die Gruppenbeschreibung bieten Platz, um den Umfang des jeweiligen Gesprächs oder der Gruppe festzulegen.
Tempo und Zeitpunkt
Ein produktives Gespräch hat einen Rhythmus. Das passende Tempo hängt von vielen Faktoren ab und ergibt sich oft aus dem Gefühl heraus, ähnlich wie beim Improvisieren in der Musik. Wann ist es Zeit, tiefer einzusteigen oder einen Schritt zurückzutreten? Wann helfen neue Informationen, und wann solltet ihr das Vorhandene genauer betrachten? Darum geht es bei der Steuerung des Tempos.
Teilnehmende haben unterschiedliche Bedürfnisse und Vorlieben. Manche müssen gebremst, andere ermutigt werden, weiterzugehen. Ein gutes Tempo entsteht aus dem Zusammenspiel von Vertiefung und Fortschritt. Stimmt es nicht, werden manche ungeduldig, während andere nicht mehr mitkommen.
Auf Loomio
- Weil die Kommunikation zeitversetzt stattfindet, können Menschen auf Loomio in ihrem eigenen Tempo lesen und antworten. So kann sich ein natürlicher Rhythmus entwickeln.
- Du kannst an langsameren Beiträgen vorbeiscrollen und die Diskussion voranbringen. Zugleich kannst du ein Thema weiter vertiefen, während andere schon vorangehen. In einem Gespräch zur selben Zeit ist das nicht möglich.
- Fristen für Vorschläge helfen, das Tempo zu bestimmen. Dringende Themen bekommen kürzere Fristen, andere mehr Zeit. Verschiedene Entscheidungen können unterschiedlich schnell getroffen werden.
- Du kannst dein eigenes Beteiligungstempo leicht anpassen. Wenn dir eine Diskussion zu schnell oder zu langsam verläuft, kannst du deinen Beitrag schreiben, dich zurückziehen und später zu einem Vorschlag zurückkehren.
- Eine „schnelle“ Entscheidung auf Loomio dauert vielleicht ein oder zwei Tage, bei einem Treffen vor Ort eher fünf Minuten. Trotzdem wirkt Loomio nicht so langsam, wie es ein zweitägiges Treffen wäre. Entscheidungen laufen parallel zur übrigen Arbeit. Beiträge von allen über zwei Tage auf Loomio zu sammeln, ist oft einfacher, als ein Treffen vor Ort zu organisieren.
- Moderation auf Loomio lässt sich mit „Bullet Time“ vergleichen: In Matrix kann Neo die Zeit anhalten und an einer Kugel vorbeigehen. Ähnlich kannst du ein laufendes Gespräch Schritt für Schritt betrachten. Das eröffnet besondere Möglichkeiten.
Mit Aufmerksamkeit umgehen
Wer moderiert, lenkt die Aufmerksamkeit. Die verfügbare Informationsmenge kann praktisch unbegrenzt sein. Deshalb ist es wichtig, Informationen zu filtern, damit die Gruppe den Überblick behält. Mit Aufmerksamkeit umzugehen heißt, Wichtigkeit, Zeit und Kapazität gegeneinander abzuwägen.
Moderation kann der Gruppe helfen, sich über Ziel und Umfang einer Diskussion oder eines Prozesses zu verständigen. Damit hat sie einen Maßstab dafür, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richtet. Ablenkungen zu begrenzen und das Gespräch zum Thema zurückzuführen, sind häufige Eingriffe.
Zur Moderation gehört auch, die Aufmerksamkeit der Gruppe lange genug bei einem Thema zu halten. Wenn es schwierig, unklar oder unangenehm wird, möchten Menschen manchmal zu früh aufgeben, das Thema wechseln oder wegsehen. Die Moderation kann der Gruppe helfen, dranzubleiben und ihre gemeinsamen Ziele zu verfolgen.
Strukturierte Abläufe und Übungen zum Ordnen von Informationen sind dafür wichtige Werkzeuge. Einige Beispiele:
- Zeitbegrenzung — einen festen Zeitraum für ein Brainstorming oder ein Gespräch über ein bestimmtes Thema festlegen.
- Themen der Tagesordnung priorisieren — alles sammeln, worüber die Teilnehmenden sprechen möchten, und vor der inhaltlichen Diskussion die wichtigsten Punkte auswählen.
- Haftnotizen ordnen — viele Ideen oder Fragen sammeln, thematisch gruppieren und zu Themen verdichten.
- Themenspeicher — einen Platz für Ideen oder Fragen schaffen, die gerade nicht relevant sind und später aufgegriffen werden sollen.
- Woran erkennen wir Erfolg? Erfolgskriterien festlegen und die Aufmerksamkeit der Gruppe darauf richten, bis sie erfüllt sind.
Auf Loomio
- Eine der wichtigsten Möglichkeiten, Aufmerksamkeit auf Loomio zu steuern, sind thematisch getrennte Diskussionen. Dieses Format entstand schon früh in der Online-Kommunikation und wird bis heute häufig genutzt, weil es Aufmerksamkeit wirksam ordnet. Wenn das Thema oben auf der Seite steht, fällt es den meisten leicht, dabei zu bleiben.
- Aktivität ist die Währung der Aufmerksamkeit auf Loomio. Jede Benachrichtigung beansprucht einen Teil davon. Auf Grundlage von Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer entscheidet die Software, welche Aktivitäten eine Benachrichtigung auslösen: etwa Kommentare, Stimmen und Fazits, aber keine „Gefällt mir“-Angabe zu einem Kommentar.
- Über die Benachrichtigungseinstellungen können Nutzerinnen und Nutzer weitgehend selbst steuern, welche Aktivitäten auf Loomio ihre Aufmerksamkeit beanspruchen. Ihnen beim Einstellen dieser Vorlieben zu helfen, unterstützt einen bewussten Umgang mit der Aufmerksamkeit der Gruppe.
- Untergruppen können helfen, Aufmerksamkeit gezielt einzusetzen. Wenn ein Thema nur einige Menschen betrifft, könnt ihr es in eine Untergruppe verlagern.
- Dass auf Loomio nicht mehrere Vorschläge gleichzeitig laufen können, ist eine bewusste, wenn auch nicht bei allen beliebte Entscheidung. Sie hilft der Gruppe, einen Vorschlag vollständig zu bearbeiten, bevor sie zum nächsten übergeht.
Viele Menschen, die Informationssysteme gestalten, haben das Problem fälschlich als Mangel an Informationen statt als Mangel an Aufmerksamkeit verstanden. Deshalb entwickelten sie Systeme, die immer mehr Informationen bereitstellen. Gebraucht wurden jedoch Systeme, die unwichtige oder irrelevante Informationen gut herausfiltern. — Wikipedia
Moderierende Eingriffe
Es gibt so viele Moderationstechniken wie Menschen, die moderieren. Ganze Bibliotheken wurden darüber geschrieben. Eine vollständige Liste möglicher Eingriffe ist daher nicht möglich.
Es kann jedoch helfen, zwei Arten von Eingriffen zu unterscheiden:
- Unterstützende Eingriffe: zur Beteiligung einladen, vertiefen, nachfragen, ermutigen, fördern, schützen und Raum schaffen.
- Bestimmende Eingriffe: bremsen, beenden, Grenzen setzen, unterbrechen, herausfordern, zum Thema zurückführen und unangemessenes Verhalten ausschließen.
Fast alle Eingriffe aus der Moderation vor Ort lassen sich auch online einsetzen, wenn sie an das Format angepasst werden.
Einzelne Personen direkt um einen Beitrag zu bitten, kann ihnen das Gefühl geben, wie ein Kind im Unterricht dazustehen, das die Antwort nicht weiß. Eine allgemeine Einladung an alle, die noch nichts gesagt haben, signalisiert den regelmäßig Beitragenden, sich zurückzuhalten. Zugleich gibt sie stilleren Menschen Gelegenheit, sich zu äußern. — Silvia Zuur
Auf Loomio
- Zu den Werkzeugen für moderierende Eingriffe auf Loomio gehören Kommentare, @Erwähnungen, das Hinzufügen und Entfernen von Nutzerinnen und Nutzern sowie das Starten und Löschen von Diskussionen. Damit lassen sich unterstützende und bestimmende Eingriffe umsetzen.
- Am häufigsten wird ein Kommentar genutzt: Du sprichst zur Gruppe, ermutigst zu einem Verhalten oder versuchst, es zu begrenzen.
- Berechtigungen zur Teilnahme bieten einfache, aber wirksame Möglichkeiten zur Moderation. Du kannst zum Beispiel festlegen, ob Nutzerinnen und Nutzer Diskussionen oder Vorschläge veröffentlichen dürfen.
- Loomio bietet einige Funktionen, die auf Vertrauen beruhen und bei anderen Werkzeugen fehlen. Standardmäßig können alle Teilnehmenden die Beschreibung einer Diskussion bearbeiten, auch wenn jemand anderes sie ursprünglich geschrieben hat. Vorbilder dafür sind unter anderem Wikipedia und die Entwicklung quelloffener Software.
Wenn du Neues entwickeln willst, musst du Raum für unterschiedliche Sichtweisen schaffen. Das brauchst du auch für ein Team, in dem sich alle einbringen können. Kulturelle und technische Faktoren geben manchen Stimmen mehr Gewicht als anderen. Mit verschiedenen Methoden kannst du dieser Verzerrung gezielt entgegenwirken. Schon das Bewusstsein dafür ist ein guter Anfang. — Richard Bartlett
Prüfe, ob du unterschiedliche Lernweisen berücksichtigst. Dabei hilft das Bild von Kopf, Herz und Händen. Menschen, die mit dem Kopf lernen, brauchen Fakten und genaue Informationen. Wer mit dem Herzen lernt, spricht auf Geschichten an und braucht eine emotionale Verbindung zur Arbeit. Mit den Händen zu lernen bedeutet, selbst etwas zu tun und aktiv zu werden. — Silvia Zuur