Kontinuierliche Praxis

Kontinuierliche Verbesserung

Auch eine sehr erfahrene Gruppe oder Moderation kann sich weiterentwickeln. Viele kleine Schritte in die richtige Richtung führen zu Verbesserungen. Dafür braucht es eine gute Möglichkeit, über die Zusammenarbeit selbst zu sprechen. So kann die Gruppe erkennen, was funktioniert und was sie ändern möchte. Ohne solche Gespräche bleibt sie leicht stehen.

Es gibt viele Wege, sich kontinuierlich zu verbessern. Sie alle schaffen Raum für Reflexion und Rückmeldungen und ermöglichen Veränderungen. Teams, die dauerhaft zusammenarbeiten, können eine Methode wie Scrum nutzen, mit Rückblicken und regelmäßigen Verbesserungen ihrer Abläufe. Nach einer einzelnen Veranstaltung kann die Moderation einfach um Rückmeldungen bitten.

Auf Loomio

  • Menschen nutzen Loomio, um darüber zu sprechen, wie sie Loomio nutzen. So können sie ihre Gespräche und Abläufe gemeinsam betrachten.
  • Wenn Gruppen Loomio nutzen, denken sie über viele Aspekte ihrer Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung nach. Das eröffnet Möglichkeiten zur Verbesserung.

Verteilte Moderation / Selbstmoderation

Wenn eine Gruppe Erfahrung sammelt, können mehr Mitglieder Moderationsaufgaben übernehmen. Moderation muss dann nicht mehr die Rolle einer bestimmten Person sein. Sie kann zu einer Aufgabe werden, die mehrere Menschen teilen. Alle können zur Moderation beitragen. Dabei entsteht ein Wechselspiel aus Anleiten und Folgen, Geben und Nehmen. Für Gruppen, die gemeinsame Führung und flache Hierarchien anstreben, ist es wichtig, das zu fördern.

Wer noch wenig Erfahrung mit Moderationsaufgaben hat, kann durch Schulungen, Einladungen und Vorschläge für erste Schritte unterstützt werden. Fast alle können zum Beispiel Folgendes ausprobieren:

  • Gehörtes wiedergeben oder zusammenfassen
  • Andere einladen, sich einzubringen
  • Fragen stellen, die das gemeinsame Verständnis vertiefen
  • Darauf achten, wer sich beteiligt und wer nicht
  • Beiträge ausdrücklich würdigen

Du brauchst keine Tagesordnung, um eine Gruppe zu moderieren. Moderation bedeutet, es einer Gruppe leichter zu machen, miteinander umzugehen. Wenn du das nächste Mal bei einem Familientreffen, einer Feier oder einer Kaffeerunde bist, geh die Situation wie eine Moderation an: Achte darauf, dass sich alle einbezogen fühlen und mitmachen können. — Silvia Zuur

Verteilte Moderation kann sehr gut funktionieren. Sie kann aber auch dazu führen, dass sich Menschen gegenseitig ins Wort fallen oder in die Quere kommen. Am Anfang ist das Zusammenspiel oft ungewohnt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen verteilter Moderation (Mitglieder unterstützen die Gruppe), „Facipulation“ (jemand lenkt die Gruppe zugunsten eigener Ziele) und ungefragter Moderation (jemand übernimmt Moderationsaufgaben ohne entsprechenden Auftrag).

Entscheide bewusst, wann Moderation durch Gruppenmitglieder sinnvoll ist und wann eine bestimmte Person moderieren sollte. Bei einer konfliktreichen Diskussion kann zum Beispiel eine ausdrücklich benannte neutrale Person nötig sein. Auch wenn Vertrauen fehlt, funktioniert verteilte Moderation möglicherweise nicht.

Moderationsaufgaben sind nicht nur Sache der Führungskraft oder der Person, die das Treffen einberufen hat — alle können sie übernehmen. — Richard Bartlett

So lässt sich das auf Loomio übertragen

  • Online eignet sich verteilte Moderation besonders gut. Verschiedene Menschen können sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten einbringen, je nachdem, was ihnen auffällt und welche Fähigkeiten sie haben.
  • Eine Online-Diskussion ist zunächst eine Zusammenarbeit unter Gleichgestellten. Eine andere Rollenverteilung muss bewusst gestaltet werden. Bei Treffen vor Ort ist es oft umgekehrt: Jemand beruft das Treffen ein, und die Moderation auf mehrere Personen zu verteilen erfordert Initiative.
  • Loomio ist für Gruppen gedacht, deren Mitglieder gleichberechtigt zusammenarbeiten. Deshalb passt verteilte Moderation in vieler Hinsicht gut zum Werkzeug.
  • Menschen, die Loomio nutzen, moderieren ihre Gruppen bereits gegenseitig, ob ihnen das bewusst ist oder nicht. Einen Vorschlag anzuregen, andere zu markieren oder den bisherigen Verlauf zusammenzufassen: All das sind Moderationsaufgaben.

Die Kunst, sich moderieren zu lassen

Beim Paartanz braucht auch die folgende Person Übung. Ähnlich ist es eine Fähigkeit, sich moderieren zu lassen. Wer selbst schon moderiert oder an vielen gut moderierten Prozessen teilgenommen hat, nimmt Moderation anders an als jemand ohne diese Erfahrung.

Die Fähigkeit, auf Moderation einzugehen, lässt sich entwickeln. Sie kann viel zum Erfolg einer Gruppe beitragen. Dazu gehört, pünktlich zu erscheinen, Anleitungen zu folgen oder eine neue Art des Denkens oder Kommunizierens auszuprobieren. Manchmal erleben Menschen einen guten gemeinsamen Prozess, ohne genau zu wissen, warum. Wenn du darauf hinweist, wie die Moderation zu einem reibungslosen oder tiefgehenden Austausch beigetragen hat, können sie besser verstehen, was ihnen daran wichtig war.

Menschen, die sich nicht moderieren lassen können oder wollen, können die Zusammenarbeit erschweren. Selbst eine erfahrene Moderation kann ihre Aufgabe bei starkem Widerstand nicht erfüllen. Häufige Probleme sind, die Diskussion zu beherrschen, ständig Gegenpositionen einzunehmen, den Ablauf zu stören, die Moderation oder andere Beteiligte respektlos zu behandeln oder sich nicht einzubringen. Jede Person trägt einen Teil der Verantwortung dafür, offen für Moderation zu sein.

Auf Loomio

  • Mit etwas Übung lernen die meisten Menschen schnell, auf Moderation in Loomio einzugehen, etwa indem sie antworten, wenn sie mit @ erwähnt werden.
  • Wer auf Loomio Moderationsaufgaben übernimmt, lernt auch selbst besser, auf Moderation einzugehen.
  • Weil alles archiviert wird, können Menschen frühere Moderationsbeiträge später nachlesen und daraus lernen, auch wenn sie nicht dabei waren.

Kulturwandel

Eine Kultur der Zusammenarbeit und Beteiligung entsteht mit der Zeit, durch viel Übung, Ausprobieren und Korrigieren. Wenn Menschen Moderation verstehen, schätzen und dazu einladen, kann das diesen Wandel wesentlich unterstützen. Moderation kann sich von einer Rolle über eine gemeinsame Aufgabe zu einer Haltung entwickeln. In einer Kultur echter Zusammenarbeit unterstützen sich alle auf unterschiedliche Weise dabei, gut zusammenzuarbeiten.

Können sich alle an der Betriebsfeier beteiligen? Entsteht das gemeinsame Essen im Büro scheinbar wie von selbst? Können Ideen von überall kommen, durch viele Köpfe und Hände weiterentwickelt und schließlich besser umgesetzt werden, als anfangs irgendjemand dachte?

Ein tiefgreifender Kulturwandel zeigt sich, wenn Zusammenarbeit nicht mehr auf bestimmte Räume oder Anlässe beschränkt bleibt, sondern jeden Bereich der Organisation prägt. Zusammenarbeit besteht nicht nur aus Haftnotizen und kurzen Gesprächsrunden. Sie wird Teil des alltäglichen Miteinanders.

Auf Loomio

  • Die Theorie des Wandels von Loomio besagt: Wenn mehr Gruppen wirksame und inklusive Entscheidungsfindung praktizieren, können sich die Abläufe in Organisationen weltweit verändern. Dieser Gedanke prägt die Gestaltung von Loomio und unsere Arbeit als Genossenschaft. Letztlich geht es um Kulturwandel durch gelebte Zusammenarbeit.
  • Loomio-Gruppen haben erlebt, wie sich ihre Kultur mit dem Werkzeug weiterentwickelt. Manche konnten wachsen und ihre Kultur der Zusammenarbeit bewahren. Andere konnten trotz der Herausforderungen inklusiver Entscheidungen als beteiligungsorientierte Gruppe bestehen bleiben.
  • Loomio macht eine neue Form alltäglicher Zusammenarbeit möglich, indem das Werkzeug gemeinsame Entscheidungen leichter zugänglich und umsetzbar macht.

Weitere Anregungen für kontinuierliche Praxis findest du in den Geschichten von Loomio-Gruppen.