Vorbereitung

Plane für jede Minute mit der Gruppe möglichst drei Minuten Vorbereitung ein. Für ein einstündiges Treffen wären das drei Stunden. Erst mit wachsender Erfahrung solltest du weniger Zeit für die Planung aufwenden.

— Silvia Zuur

Den Zweck verstehen

Eine der wertvollsten Aufgaben guter Moderation ist es, den Zweck zu klären. Wenn die Gruppe sich darüber einig ist, wird vieles andere möglich. Ein Zweck gilt für die Gruppe als Ganzes und für einzelne Diskussionen und Entscheidungen. An ihm lässt sich beurteilen, welche Werkzeuge passen, wann eingegriffen werden sollte und welches Fazit angestrebt wird. Fehlt ein gemeinsames Verständnis des Zwecks, kann eine Diskussion oder sogar die Gruppe daran scheitern.

Komm immer wieder auf deine Fragen zum Zweck zurück. Prüfe, ob du damit erfasst, was die Teilnehmenden lernen oder erreichen möchten. — Silvia Zuur

Auf Loomio

  • Die App bietet Platz, um den Zweck zu erläutern, etwa in der Gruppenbeschreibung und im Feld Kontext der Diskussion.
  • Wenn der Zweck noch unklar ist, beginne mit deiner Gruppe eine Loomio-Diskussion über den Zweck.
  • Unsere Nutzungsstatistiken zeigen, dass Gruppen mit einem klaren gemeinsamen Zweck erfolgreicher sind.
  • Die von uns gesammelten Erfahrungsberichte und Fallstudien zeigen, wie wichtig ein gemeinsamer Zweck ist.

Die Einrichtung umstellen

Wie du den Raum gestaltest, in den du Menschen einlädst, prägt ihre Erfahrung. Jedes Treffen ist anders und braucht eine passende Umgebung. Vertrautes vermittelt Sicherheit. Eine veränderte Umgebung kann Offenheit für neue Ideen fördern.

Bei Treffen vor Ort stellen Moderierende oft tatsächlich die Möbel um. Das hilft ihnen, sich auf die Moderation einzustellen und über die Besonderheiten des Treffens nachzudenken. Stell dir vor, wie anders ein Treffen verläuft, wenn alle im Kreis sitzen statt in Reihen.

Auf Loomio

  • Menschen in einen neuen digitalen Raum einzuladen, der eigens für Entscheidungen gedacht ist, kann viel bewirken. Der Wechsel in diesen Raum hebt ihn von anderen Online-Räumen ab, die etwa dem sozialen Austausch dienen.
  • Wenn du das Gruppenfoto anpasst, kannst du die Atmosphäre des Raums mitgestalten.
  • Die Gruppenbeschreibung ist ein wichtiger Teil der „Einrichtung“ der Gruppenseite. Du kannst sie passend gestalten.

Hilfsmittel, Werkzeuge und Materialien

Bei einer gut vorbereiteten Moderation ist alles griffbereit, was die Gruppe braucht. Vor Ort können das Haftnotizen, Stifte, Papier, Namensschilder, Ausdrucke und Hintergrundmaterial sein. Jeder solche Vorbereitungsschritt schafft mehr Zeit und Energie für die eigentliche Arbeit.

Auf Loomio

  • Viele Gruppen verlinken in der Gruppenbeschreibung auf einen gemeinsamen Speicherort für Dokumente, Hintergrundinformationen, Projektmanagement oder Aufgaben sowie auf Kontaktlisten.
  • Überlege bei jeder Diskussion, was die Beteiligten brauchen, um mitzuarbeiten. Stelle die Informationen direkt bereit. Wenn du zum Beispiel etwas erwähnst, ist ein direkter Link hilfreicher, als die Beteiligten danach suchen zu lassen.

Den Ablauf gestalten

Wenn Zweck, Werkzeuge und Hintergrundinformationen geklärt sind, nehmen sich gute Moderierende Zeit für die Gestaltung des Ablaufs. Sie denken über die Situation nach, darüber, wie Erfolg aussehen könnte, und über mögliche Wege und Entscheidungen. Sie beginnen nicht ohne durchdachten Plan.

Wir haben immer wieder erlebt, dass Menschen den Aufwand für Vorbereitung und Gestaltung stark unterschätzen. Halte kurz inne und überlege, welche Erfahrung du ermöglichen möchtest, bevor du beginnst. Die Zeit für diese Planung zahlt sich später vielfach aus.

Auf Loomio

  • Schon die Grundfunktionen von Loomio folgen einem sinnvollen Moderationsablauf: Menschen einladen, ein Thema diskutieren, unterschiedliche Beiträge sammeln, daraus einen konkreten Vorschlag entwickeln, Zustimmung prüfen und das Fazit festhalten.

  • Erfahrene Nutzerinnen und Nutzer passen Loomio bereits an unterschiedliche Abläufe an, etwa für mehrstufige Konsultationen oder die Freigabe von Dokumenten. Gut moderiert nimmt jede dieser Aufgaben eine wiederholbare Form an.
  • Für die Gestaltung der Online-Zusammenarbeit musst du nicht bei null anfangen. Nutze, was sich für dich bewährt hat. Viele erprobte Abläufe aus Treffen vor Ort lassen sich online umsetzen, zum Beispiel der Beratungsprozess.
  • Fallstudien zu durchdacht gestalteten Abläufen können als Vorlagen dienen. Wenn du noch keinen passenden Ablauf kennst, sieh dir an, was andere ausprobiert haben.

Den Zeitpunkt einordnen

Diskussionen finden nicht isoliert statt. Sie stehen im Zusammenhang mit der Geschichte und Arbeitsweise der Gruppe. Damit Moderation wirksam ist, muss sie zum richtigen Zeitpunkt stattfinden und zum übrigen Vorgehen der Gruppe passen.

Wichtige Fragen zum Kontext:

  • Befindet sich die Gruppe gerade im Wandel?
  • Verbessert das Vorhaben eine bestehende Arbeitsweise?
  • Ist dies einer von mehreren gleichzeitigen Prozessen oder der einzige Schwerpunkt?
  • Wollen wir ein Problem lösen oder ein Thema vertiefen, erweitern oder eingrenzen?

Auf Loomio

  • In Loomio-Gruppen gibt es fast immer eine Person, die das Vorhaben vorantreibt. Sie kennt den Kontext der Gruppe und entscheidet mit, ob die Einführung von Loomio gerade passt.
  • Versuche nicht, alles auf einmal zu ändern. Gruppen nehmen Loomio leichter an, wenn es zu ihren bestehenden Abläufen passt.
  • Ein guter Zeitpunkt ist erreicht, wenn die Gruppe bereit ist, online zusammenzuarbeiten. Sie sollte merken, dass ihr ein Raum für Online-Entscheidungen fehlt, und diesen Bedarf angehen wollen.
  • Bedenke, wie viel Aufmerksamkeit die Gruppe aufbringen kann, wenn du den Zeitpunkt für ein Thema wählst. Gemeinsame Aufmerksamkeit ist begrenzt.
  • Vielen Gruppen sind ihre bisherigen Formen und Gewohnheiten der Zusammenarbeit kaum bewusst. Dann ist erst recht unklar, wie Loomio dazu passen könnte. Beginne mit einer Diskussion darüber, wie die Gruppe bisher arbeitet und was dabei funktioniert oder nicht funktioniert.

Die Rolle der Moderation

Gute Moderation erfordert, dass sich Einzelne und die Gruppe ihrer eigenen Rolle bewusst sind. Ist die Rolle der Moderation unklar, kann das zu Missverständnissen, Konflikten oder unsicheren Situationen führen.

Lass dir die Befugnis zur Moderation ausdrücklich übertragen. Wenn du in eine neue Gruppe oder Organisation eingeladen wirst, fragen sich die Beteiligten vielleicht: Wer ist diese Person? Warum sollten wir auf sie hören? Bitte jemanden, den die Beteiligten kennen und dem sie vertrauen, dich vorzustellen. Das schafft Vertrauen und hilft, dir die Befugnis zur Moderation zu übertragen. — Silvia Zuur

Die Gruppe muss mit der Moderation einverstanden sein. Ohne dieses Einverständnis kann Moderation im schlimmsten Fall Zwang auf die Gruppe ausüben und die moderierende Person gefährden. Sie wird auch auf Widerstand und Verwirrung stoßen. Moderierende begeben sich in eine verletzliche Position. Sie brauchen ein Mandat und sollten die Aufgabe sonst nicht übernehmen. Einverständnis ist für beide Seiten entscheidend.

Verantwortung

Wer ein Mandat zur Moderation übernimmt, trägt zusätzliche Verantwortung. Moderierende können mehr Redezeit beanspruchen und die Aufmerksamkeit der Gruppe lenken. Diese Möglichkeiten müssen der ganzen Gruppe dienen, nicht einer persönlichen Agenda. Auch ihre Worte und ihr Auftreten haben besonders großes Gewicht. Deshalb müssen sie besonders umsichtig handeln.

Macht

Moderation schafft zwangsläufig Machtunterschiede. Moderierende müssen bestimmte Befugnisse ausüben können, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Sie müssen zum Beispiel jemanden unterbrechen können, damit eine Diskussion beim Thema bleibt, oder eine Form des Umgangs als nicht akzeptabel benennen. Wer ihnen die Verantwortung für den Ablauf überträgt, muss ihnen auch die dafür nötigen Befugnisse geben. Wie weit diese reichen, hängt von der Verantwortung ab, die sie tragen.

Anpassungsfähigkeit

Moderierende arbeiten am besten, wenn sie auf neue Entwicklungen eingehen können. Menschen sind komplex, und in Gruppen wird das Zusammenspiel noch komplexer. Wer starr an einem Plan oder Ablauf festhält, kann den Erfolg der Gruppe gefährden. Können oder wollen Moderierende sich nicht an veränderte Umstände anpassen, können sie eine dynamische Gruppe nicht wirksam begleiten.

Setz den Moderationshut auf und auch wieder ab. Für viele ist es schwierig, Treffen und Workshops im eigenen Team zu moderieren. In der Moderation müssen sie neutral sein. Als Teammitglied haben sie zugleich wertvolle Einsichten beizutragen. Mach deutlich, wann du moderierst und wann du als teilnehmende Person sprichst. — Silvia Zuur

Auf Loomio

  • Viele Gruppen, die Loomio nutzen, haben Erfahrung mit Moderation und ein gemeinsames Verständnis dieser Rolle. Sie passen das Werkzeug bereits an ihre Bedürfnisse an.
  • Oft wird angenommen, dass die Person, die eine Diskussion startet, sie auch moderiert, sofern die Gruppe nichts anderes vereinbart hat. Klarheit darüber, wer moderiert, kann Sicherheit und Erfolg für alle fördern.
  • Loomio ermöglicht eine offene Dynamik, in der sich mehrere Personen an der Moderation beteiligen können. Sie können etwa andere markieren, darum bitten, beim Thema zu bleiben, oder einen passenden Zeitpunkt für einen Vorschlag anregen. Häufig bleibt diese Moderation unausgesprochen. Wenn die Gruppe solche Handlungen benennt und bespricht, ob die Rolle bei einer Person liegt oder verteilt ist, wird sie klarer.
  • Eine Gruppe kann online mit stillschweigend verteilter Moderation beginnen, ohne Moderation ausdrücklich als Rolle zu besprechen. Diese Form eignet sich allerdings eher für erfahrene Gruppen, die bereits mit ausdrücklicher Moderation gearbeitet haben.