Beginn

Einladung
Wie Menschen zur Teilnahme an einem moderierten Raum eingeladen werden, ist sehr wichtig. Aus einer Einladung entnehmen sie viele Informationen. Daran beurteilen sie, wie der Raum gestaltet wird und ob sie dazugehören. Die Einladung ist eine wichtige Gelegenheit, den Ton zu setzen und Vertrauen aufzubauen.
Bei Entscheidungen geht es um Kommunikation: Deine Gruppe kann nur dann gemeinsam gute Entscheidungen treffen, wenn die Kommunikation auf einer guten Grundlage steht. Dazu gehört Klarheit über den Zweck einer Diskussion oder eines Treffens, darüber, wer beteiligt sein sollte, wie viel Zeit vorgesehen ist und was die Beteiligten erwarten können.
— Richard Bartlett
Wichtige Aspekte einer Einladung:
- Hintergrund. Worum geht es? Was soll ich tun? Wer steht dahinter? Wer ist noch beteiligt? Wie viel Zeit muss ich einplanen, welches Thema steht im Mittelpunkt und nach welchen Regeln läuft es ab?
- Kontext. Was zeichnet diese konkrete Beteiligung aus? Welches der möglichen Formate wird gewählt und wie wird der Ablauf aussehen? Warum findet sie jetzt und auf diese Weise statt?
- Zugehörigkeit. Bin ich willkommen? Ist das etwas für mich? Werde ich in diesem Prozess gebraucht? Was kann gerade ich beitragen? Warum sollte ich mich beteiligen?
- Sicherheit. Zeigt die Einladung, dass sich jemand Gedanken gemacht hat und Vertrauen und Verständnis mitbringt? Kann der geplante Ablauf mit den bestehenden Machtverhältnissen umgehen? Wie offen oder verletzlich muss ich mich zeigen? Traue ich der einladenden Person zu, gut mit mir umzugehen?
- Barrierefreiheit. Werden meine grundlegenden Voraussetzungen für die Teilnahme berücksichtigt? Dazu gehören etwa Sprache, unterstützende Technik und unbekannte Fachbegriffe. Kann ich mich beteiligen?
Auf Loomio
- Mit der integrierten Funktion kannst du Personen einladen: per E-Mail oder über einen besonderen Link. Wenn deine Einstellungen es erlauben, können Personen auch beantragen, deiner Gruppe beizutreten.
- Die Einladungsfunktionen der Software sind schlicht. Eine unerwartete Aufforderung, sich bei einer unbekannten Software anzumelden, kann ohne Erklärung abschreckend wirken. Deshalb stellen Menschen, die eine Gruppe gründen, Loomio oft zuerst auf anderem Weg vor.
- Viele Funktionen von Loomio sollen einen sicheren und respektvollen Raum schaffen, dem Menschen gern beitreten. Dazu gehören durchdachte Privatsphäre-Einstellungen.
- Die Software ist so gestaltet, dass sie freundlich, einfach und professionell wirkt und Vertrauen schafft.
- Loomio bietet Funktionen für Menschen, die unterstützende Technik wie Screenreader verwenden, sowie Übersetzungen für Menschen mit unterschiedlichen Sprachen. Wenn du diese Möglichkeiten in der Einladung erwähnst, fühlen sich manche Menschen eher willkommen.
Ankommen
Die Ankunft prägt den ersten Eindruck und damit den weiteren Verlauf. Eine Person hat die Einladung angenommen und sich entschieden, teilzunehmen. Sie ist offen und gespannt. Ihr erster Eindruck wird ihre Erfahrung stark beeinflussen.
Willkommen heißen
Damit sich Menschen offen beteiligen können, müssen sie sich willkommen fühlen. Sie möchten wahrgenommen und freundlich aufgenommen werden.
Sich zurechtfinden
Wer einen Raum betritt, möchte wissen, wo man sitzen kann, wo der Ausgang und die Toilette sind und ob es Kaffee gibt. Menschen brauchen eine grundlegende Orientierung im Raum und müssen wissen, welchen Platz sie darin haben.
Auf Loomio
- Die Gruppenbeschreibung und das Kontextfeld einer Diskussion sind die wichtigsten Orte für eine Willkommensnachricht an neu Angekommene.
- Sieh dich auf Loomio um und passe die Einstellungen an deine Bedürfnisse an, zum Beispiel die Benachrichtigungseinstellungen und dein Profilfoto.
- Wähle die Ansicht für Diskussionen, die dir am besten liegt, und nutze Optionen wie „Zuletzt“, „Ungelesen“, „Stummschalten“ und „Markieren“. Mach dich mit dem Raum vertraut.
Wer ist dabei?
Sich selbst vorzustellen und andere kennenzulernen gehört zu den grundlegendsten und wichtigsten Formen menschlichen Miteinanders. Vom Māori-mihimihi über das britische „How do you do?“ bis zum Austausch von Visitenkarten in Japan: Jede Kultur misst dem große Bedeutung bei. Es geht um mehr als praktische Fragen und Höflichkeit. Dahinter steht ein menschliches Grundbedürfnis, das Vertrauen, Offenheit und Konzentration ermöglicht.
Wenn du eine Gruppe moderierst, gib den Beteiligten Gelegenheit, sich vorzustellen und zu erfahren, wer sonst dabei ist. Andernfalls werden sie sich meist damit beschäftigen, selbst wenn du ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenken möchtest. Plane Vorstellungsrunden bewusst ein und nutze sie, um die gemeinsamen Ziele zu unterstützen.
Check-in
Auch in Gruppen, deren Mitglieder einander gut kennen, setzt sich das Kennenlernen durch Check-ins fort. Zu Beginn eines Treffens können alle kurz zu Wort kommen, etwa zu Fragen wie „Was beschäftigt dich gerade?“, „Wie geht es dir?“ oder „Hindert dich etwas daran, heute ganz dabei zu sein?“. Auch andere Gewohnheiten können den Zusammenhalt stärken. Menschen haben viele Seiten, die je nach Situation unterschiedlich hervortreten. Sie beantworten die Frage „Wer bin ich in diesem Moment?“ immer wieder neu und können sich dadurch aufeinander einstellen.
Was Menschen sagen, steht immer im Zusammenhang damit, wer sie sind. Um ihre Beiträge zu verstehen, hilft ein vielschichtiger Blick auf ihre Identität.
Viele unserer Treffen beginnen mit einem Check-in aller Beteiligten, bevor wir zur Tagesordnung kommen. Dabei geht es nicht um deine Aufgaben, sondern darum, wie es dir als Mensch geht. Vielleicht hast du zu Hause eine schwierige Zeit, bist krank oder hast erfreuliche Neuigkeiten. Wenn die Gruppe weiß, wie es dir geht, kann sie besser einordnen, wie du dich ausdrückst. — Richard Bartlett
Auf Loomio
- Erstelle eine Diskussion mit dem Titel „Stell dich vor“ oder „Check-in“. Das ist eine erste Aufforderung zur Beteiligung, die alle neu Hinzukommenden verstehen.
- In Gruppen mit Beitrittsanfragen können sich anfragende Personen bei der koordinierenden Person vorstellen, bevor sie Zugang zur Gruppe erhalten. Manche Gruppen veröffentlichen diese Vorstellung anschließend erneut in einer Vorstellungsdiskussion, um die Person willkommen zu heißen.
- Lade ein Profilfoto hoch. Fotos von Gesichtern helfen besonders dabei, online ein Gefühl dafür zu bekommen, wer mit dir im Raum ist.
Wer fehlt?
Vielfalt ist wichtig für gute Gruppenentscheidungen. Die „Weisheit der Vielen“ entsteht nur, wenn unterschiedliche Sichtweisen zusammenkommen. Die Ergebnisse gemeinsamer Prozesse hängen stark davon ab, wessen Stimmen vertreten sind und wessen nicht. Eine vollkommen repräsentative Beteiligung ist unmöglich. Trotzdem solltest du überlegen, wer fehlen könnte.
Viele Menschen übersehen, welche Vorteile sie gegenüber anderen haben. Wir erkennen Verzerrungen nur schwer und bemerken eher, was vorhanden ist, als was fehlt. Unsere Wahrnehmung kann uns täuschen. Wenn Frauen und Männer bewusst gleich viel Redezeit erhalten, entsteht zum Beispiel oft der Eindruck, Frauen sprächen mehr als ihnen zusteht. Das hängt mit unterschiedlichen Vorstellungen darüber zusammen, wie viel sie sprechen „sollten“ (mehr dazu). Um ein zutreffendes Bild zu erhalten, kann es nötig sein, tatsächlich zu messen oder zu zählen, statt sich auf das eigene Gefühl zu verlassen.
Wer selbst keine besonderen Anforderungen an Barrierefreiheit hat, bemerkt vielleicht nicht, dass ein Veranstaltungsort nicht mit dem Rollstuhl zugänglich ist, ein Dokument nicht für Screenreader aufbereitet wurde oder Menschen mit Hörverlust ausgeschlossen werden. Die Betroffenen bemerken es jedoch. Wer keine Kinder hat, denkt möglicherweise nicht daran, dass ein Treffen um 19 Uhr für Eltern ungünstig ist. Diese und viele weitere praktische, soziale und kulturelle Umstände können Menschen daran hindern, dabei zu sein.
Wenn du Probleme für andere lösen möchtest, ist die Frage, wer fehlt, besonders wichtig: Entwickle Lösungen mit den Betroffenen und sprich mit ihnen. Sind die Menschen, für die du etwas erreichen möchtest, nicht beteiligt, fehlen dir wahrscheinlich wichtige Informationen. Das betrifft den Erfolg eines Unternehmens ebenso wie soziale Gerechtigkeit. Zusammenarbeit lässt sich fast immer besser mit den Nutzenden oder anderen Beteiligten gestalten.
Auf Loomio
- Online-Zusammenarbeit kann neue Möglichkeiten der Beteiligung eröffnen. Denk neben der „digitalen Kluft“ auch an digitale Brücken: Technik kann Menschen einbeziehen, die nicht persönlich zu einem Treffen kommen oder zu einer bestimmten Zeit teilnehmen können. Sie ermöglicht auch mehrsprachige Diskussionen.
- Auf Loomio ist erkennbar, wer zu einer Gruppe eingeladen wurde und wer sich an einer Diskussion beteiligt hat. Das sind wichtige Informationen, wenn du über Beteiligung nachdenkst. Du kannst sehen, wer fehlt.
- Wenn dir inklusive Entscheidungen und unterschiedliche Sichtweisen wichtig sind, frag dich regelmäßig: „Wer fehlt? Warum?“
Kultur, Regeln und Erwartungen
Kultur ist schwer zu fassen und zeigt sich auf mehreren Ebenen. Die Kultur der Gesellschaft hat großen Einfluss. Zugleich kannst du jede Gruppe und jedes Treffen oder jede Diskussion als Raum mit einer eigenen Kultur betrachten.
Wie gehen wir miteinander um? Wie sprechen wir miteinander? Was ist hier in Ordnung und was nicht? Welche Regeln gelten für unsere Zusammenarbeit?
Wenn sich eine Gruppe mit solchen Fragen beschäftigt, kann sie viel über sich selbst lernen. Werden die Fragen übergangen, kann das die gemeinsamen Ziele gefährden oder eine Gruppe sogar auseinanderbringen.
Kultur, Regeln und Erwartungen können ausgesprochen oder unausgesprochen sein. Sie hängen oft auf komplexe Weise mit Machtverhältnissen und sozialem Ansehen zusammen. Die Herausforderung besteht darin, Raum für Entwicklung, Kreativität und Freiheit zu lassen und zugleich Grenzen klar genug zu benennen, damit sich alle sicher fühlen können.
Moderierende Personen helfen einer Gruppe oft dabei, ihre vereinbarte Kultur zu leben, ihre Regeln einzuhalten und Erwartungen ernst zu nehmen. Dafür brauchen sie klare Vereinbarungen und den Auftrag, darauf zu achten. Fehlt beides, kann diese Aufgabe schwierig werden.
Oft möchten Menschen sich auf den „gesunden Menschenverstand“ verlassen und keine Verhaltensregeln ausdrücklich vereinbaren. Das kann besonders verletzliche Gruppenmitglieder treffen. Sie spüren die Folgen von schlechtem Verhalten oder einer problematischen Gruppenkultur meist zuerst und am stärksten und können sich oft am schwersten dagegen wehren. Mitglieder mit mehr Einfluss oder Vorteilen tragen Verantwortung dafür, diese Fragen sorgfältig zu bedenken.
Wie bei einem Vertrag hoffst du, Verhaltensregeln nie durchsetzen zu müssen. Wenn es nötig wird, bist du froh, dass es sie gibt. Vereinbare sie, bevor du sie brauchst. Damit eine moderierende Person oder ein anderes Gruppenmitglied wirksam sagen kann „Das ist hier nicht in Ordnung“, muss die Gruppe ihre Kultur und Erwartungen zuvor gemeinsam geklärt haben.
Auf Loomio
- Loomio wird meist von Gruppen mit einem gemeinsamen Zweck und einem festgelegten Mitgliederkreis für konstruktive Beratungen genutzt. Deshalb beteiligen sich die meisten Menschen in guter Absicht und gehen respektvoll miteinander um.
- Loomio gibt Einzelnen Raum, ihre Bedürfnisse und Bedenken auszudrücken. Auch wenn die Mehrheit kein Problem sieht, kann eine einzelne Person es ansprechen und Gehör finden.
- Online-Kommunikation kann ein gewisses Maß an körperlicher Sicherheit bieten, weil sich die Beteiligten nicht persönlich gegenüberstehen.
- Manche Gruppen halten Verhaltensregeln oder Erwartungen in der Gruppenbeschreibung fest. Andere haben gemeinsam Erwartungen für die Teilnahme vereinbart.
- Viele Gruppen nutzen Loomio, um ihre Regeln festzulegen: wie sie miteinander umgehen, was erlaubt ist und was eine Entscheidung bedeutet und gültig macht.
- Einige grundlegende Fragen werden schon durch die Nutzung von Loomio beantwortet: Wer darf teilnehmen? Wie kommunizieren wir?
- Eine grundlegende Frage, mit der sich alle Loomio-Nutzenden befassen, betrifft die Entscheidungsregeln: Konsens? Mehrheit? Quorum? Einstimmigkeit? Diese Frage ausdrücklich zu besprechen, kann die Entwicklung der Gruppenkultur voranbringen.
Bei Entscheidungen geht es um Kommunikation: Deine Gruppe kann nur dann gemeinsam gute Entscheidungen treffen, wenn die Kommunikation auf einer guten Grundlage steht. Dazu gehört Klarheit über den Zweck einer Diskussion oder eines Treffens, darüber, wer beteiligt sein sollte, wie viel Zeit vorgesehen ist und was die Beteiligten erwarten können.