Genossenschaft für Softwareberatung

Wie ein selbstverwaltetes Team Entscheidungen trifft

Als das Team auf über 20 Personen wuchs, funktionierte die bisherige Art, Entscheidungen zu treffen, nicht mehr.

Wie ein selbstverwaltetes Team Entscheidungen trifft
Organisation

Camplight

Genossenschaft für Softwareberatung

Europa (verteilt)

20–40 Teammitglieder

Einblicke von
Marin Petrov

Marin Petrov

Systemarchitekt

Nutzt Loomio seit 2018

Nutzt Loomio für
Verteilte konsentbasierte Entscheidungen
Volle Transparenz durch Dokumentation
Vorlagen für wiederkehrende Prozesse
Asynchrone Absprache zu Strategie und Finanzen

Camplight ist ein dynamisches Softwareentwicklungs- und Beratungsunternehmen mit Sitz in Europa. Anfang der 2020er-Jahre stand es vor einer Herausforderung, der viele erfolgreiche Organisationen begegnen: Wie treffen wir gute Entscheidungen, wenn das Team wächst? Mit 20–40 Teammitgliedern und einem Bekenntnis zu Autonomie und flachen Organisationsprinzipien brauchten sie ein Tool, das ihren kooperativen Ansatz unterstützen konnte.

Marin Petrov ist ein erfahrener Systemarchitekt und setzt sich leidenschaftlich für Teams ein. Wir sprechen mit ihm zu später Stunde und er ist so freundlich, uns etwas über die Kultur von Camplight zu erzählen und darüber, wie er Loomio nach Covid in die Organisation gebracht hat.

Zum ersten Mal hörte ich von Loomio kurz nach seiner Entstehung, gleich nach Occupy Wall Street. Ich begann gerade, mich in der Welt der Genossenschaften und der Selbstverwaltung zu engagieren, und dieses Tool beeindruckte mich damals sehr. Ich dachte sofort: ‚Oh, Gleichgesinnte‘.

Marin Petrov, Camplight

Marin kam 2022 zu Camplight und hatte Loomio bereits mit großem Erfolg in anderen Organisationen eingeführt. Weil er mit dem Tool vertraut war, konnte er sich dessen Einsatz auch in anderen Zusammenhängen und Organisationstypen vorstellen. „Hier sah ich den Bedarf für ein Tool, das die Entscheidungsfindung im Team unterstützt, die damals langsam und fallweise ablief. Ich schlug Loomio vor und inzwischen nutzen wir es seit 3 Jahren.“

Im Kern liegt die Stärke von Loomio darin, jeder Stimme das gleiche Gewicht zu geben und den Prozess transparent zu machen. Statt Entscheidungen von oben vorzugeben, werden die Teammitglieder von Camplight befähigt, sich aktiv zu beteiligen, ihre Perspektiven einzubringen und gemeinsame Ausrichtung und Konsent zu entwickeln.

Flache Organisationen können sich manchmal selbst ausbremsen, indem sie versuchen, bei jeder Entscheidung Konsens zu erreichen. Die Einführung eines konsentbasierten Verfahrens kann eine große Abkehr vom üblichen Vorgehen sein, bei dem eine Gruppe Konsens sucht – die vollständige Übereinstimmung der gesamten Gruppe. Bei einem konsentbasierten Ansatz können Gruppen weitermachen, solange es keine schwerwiegenden Einwände gibt. Teammitglieder verschwenden keine Zeit damit, zu debattieren oder andere Mitglieder zu überzeugen, ihre Einwände abzuschwächen. Konsent ist erreicht, wenn niemand ein Risiko kennt, das das Team nicht eingehen kann. Das schafft gleiche Voraussetzungen und lässt die kollektive Intelligenz der Gruppe zur Geltung kommen.

Auch die Transparenz, die Loomio bietet, ist entscheidend. Durch die Dokumentation des Entscheidungsprozesses kann das Team die Entwicklung einer Idee nachvollziehen, die Gründe für Entscheidungen verstehen und sehen, wie alle dazu beigetragen haben. Das schafft Vertrauen und Verantwortlichkeit und stellt sicher, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt, unabhängig davon, wann jemand im Projektverlauf hinzukam. Loomio ist einer der Schlüssel, die den harmonischen Arbeitsablauf bei Camplight zusammenhalten. „Das Tool erleichtert nicht nur Entscheidungen“, erklärt Marin, „es lädt dazu ein, die Zusammenarbeit des Teams insgesamt zu verändern.“

Das Geschenk von „gut genug“

Entscheidend ist, dass Loomio einen iterativen, anpassungsfähigen Ansatz zur Entscheidungsfindung fördert. Statt nach Perfektion zu streben, konzentriert sich das Camplight-Team darauf, den praktischen Zustand „gut genug“ zu erreichen. Gut genug ist eine Lösung, die sofort angewendet und mit der Zeit verbessert werden kann. Gut genug bedeutet, dass wir das Risiko eingehen können, gemeinsam voranzukommen. Die Erlaubnis, gut genug anzustreben, löst Blockaden und ermöglicht es der Gruppe, beweglich zu bleiben und auf veränderte Bedürfnisse zu reagieren.

Loomio ermutigt das Camplight-Team, seine sozialen und kooperativen Fähigkeiten zu pflegen. Indem das Team regelmäßig gemeinsam Entscheidungen trifft, stärkt es kontinuierlich seine Fähigkeit, harmonisch zusammenzuarbeiten. Was sich anfangs vielleicht einschüchternd anfühlte, ist rhythmisch und natürlich geworden – ein fließender, improvisierter Tanz geteilter Führung.

Loomio ist ein Tool, das kulturellen Wandel anstoßen kann. Mit Unterstützung des Tools entwickelte Camplight seine Art der Entscheidungsfindung weiter. Der neue Prozess ermöglichte es dem Team, agiler und innovativer zu sein und seinem Wert der Selbstverwaltung treu zu bleiben.

Weitere Fragen und Antworten mit Marin

Wie nutzt dein Team Loomio im Alltag?

Es wird hauptsächlich für konsentbasierte Entscheidungen genutzt. Aber wir nutzen es auch für unseren Gehaltsprozess, um uns zu Strategie und finanzieller Vision abzusprechen und so weiter. „Loomio ist sowohl für operative als auch für strategische Zwecke äußerst nützlich – es hilft Teams, gemeinsam Strategien zu entwickeln, die schnell umgesetzt werden können.“

Wie fügt sich Loomio auf Organisationsebene in euren aktuellen Arbeitsablauf ein? Die meisten unserer Ideen entstehen tatsächlich in Trello – wir vermeiden Slack und bevorzugen viel asynchrone Kommunikation. Wir nutzen die Slack-Integration, um Teammitglieder über neue Diskussionen in Loomio zu informieren. Auch die neue Vorlagenfunktion des Tools hat uns sehr geholfen. Wir erstellen und bearbeiten unsere eigenen Vorlagen. Unser selbst gestalteter Gehaltsprozess ist zum Beispiel individuell und recht spezifisch, deshalb haben wir dafür eine Vorlage von Grund auf erstellt.

Welchen Rat würdest du anderen Teams geben, die Loomio einführen möchten?

Es findet viel Entwicklung statt, wenn man sich als Gruppe verbindlich auf einen Entscheidungsprozess einlässt und ihn gemeinsam trägt. Nach anfänglichem Unbehagen werden die Menschen unweigerlich lernen, die Angst vor Fehlern loszulassen und sich wohler damit zu fühlen, gemeinsam voranzugehen. Aber es braucht Übung, um die Fähigkeit zur Zusammenarbeit, Beziehungen und Vertrauen aufzubauen – die Grundlagen des sozialen Kapitals. „Wir wachsen gemeinsam als Team.“

Woher weißt du, dass es funktioniert?

„Dieses Tool befähigt Menschen.“ Vor Kurzem habe ich versucht, Loomio in eine traditionelle, hierarchische Organisation einzubringen. Ich leitete einen Workshop zur Entscheidungsfindung im Team und die Mitglieder waren überrascht, dass sie überhaupt selbstständig handeln durften. „Dürfen wir das?!“ Während die Mitarbeitenden auf Erlaubnis warteten, warteten die Führungskräfte und fragten sich: „Warum ergreifen sie nicht die Initiative?“ Ich lade alle Teams zu einem Umdenken hin zu mehr Eigenverantwortung ein, für das man weder in einer flachen Organisation noch in einem Startup arbeiten muss.

Möchtest du noch etwas hinzufügen?

„Wir [Camplight] mussten mehr Klarheit und Transparenz in den Entscheidungsprozess bringen. Seit wir Loomio eingeführt haben, können wir sehen und darauf vertrauen, dass die Entscheidung des Teams das Beste war, was wir zu diesem Zeitpunkt erreichen konnten.“

• Interview und Artikel von Meg Buzzi & Sarah Durlacher (Fixchr)

Schlagwörter: Genossenschaften Fallstudien Selbstorganisation

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