Rich wurde als „Ingenieur, der Künstler und dann Aktivist wurde“ beschrieben und gehört zu den ursprünglichen Kräften hinter Loomio. Kürzlich hielt er an der Victoria University einen Vortrag über Internet und Identität. Mit diesem interessanten Beitrag fanden wir ihn genau richtig für den Auftakt unserer Porträtreihe.
Name: Richard D. Bartlett
Alter: 28, was in Internetzeit einem Opa entspricht
Titel: Direktor für Autonomie (Richard versichert uns, dass das stimmt und nicht nur für das Interview erfunden ist)
Team: Richard wechselt zwischen dem Code- und dem Community-Team
Warum hast du dich bei Loomio engagiert?
Ich komme aus dem Bereich Open-Source-Hardware (als Rich Decibels) und kreativer Gemeinschaftsorganisation (mit dem Concerned Citizens Collective). Als die Occupy-Bewegung 2011 nach Wellington kam, wurde ich von ihr mitgerissen. Die sogenannten „wicked problems“, vor denen die Gesellschaft steht, haben mir schon immer große Sorgen bereitet: ungebremster Klimawandel, Ressourcenverknappung, der Zusammenbruch von Ökosystemen und das allgegenwärtige Gefühl der Entfremdung in der Gesellschaft… Diese Erfahrung mit Occupy hat meine Sicht auf all das völlig verändert – zum ersten Mal hatte ich wirklich Hoffnung für die Zukunft. Meine Beteiligung an der Bewegung hat mich zu der Überzeugung gebracht, dass es kein Problem gibt, das eine engagierte Gemeinschaft empathischer Gleichgestellter nicht lösen kann. Occupy hat mein Leben völlig verändert, und ich hoffe, dass Loomio diese Erfahrung viel nachhaltiger und für Millionen weiterer Menschen zugänglich machen kann.
Was machst du im Alltag?
Ich bin das, was man einen „Load Balancer“ nennt: Ich setze meine Fähigkeiten einfach dort ein, wo sie an einem bestimmten Tag am dringendsten gebraucht werden. Das bedeutet manchmal Softwareentwicklung, Nutzerunterstützung, interne und externe Kommunikation, ein bisschen Design und Animation… Ich bin so etwas wie eine Aushilfe, die immer für die Zusammenarbeit zur Verfügung steht, egal ob du Code oder eine Pressemitteilung schreibst.
Was ist dein wichtigster Tipp für gemeinsame Entscheidungen?
Wir haben immer wieder gesehen, dass eine engagierte Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zu besseren Ergebnissen kommt, als irgendeine einzelne Person allein erreichen würde. Eine Gruppe kann eine Kultur entwickeln, in der diese Momente „radikaler Erkenntnis“ häufiger auftreten: Dafür braucht es gegenseitigen Respekt, Empathie und genug Kontext, damit alle auf demselben Stand sind. Ein bisschen Struktur ist gut, aber wenn du merkst, dass du dich in Formalitäten oder Details verstrickst, deutet das wahrscheinlich auf ein tiefer liegendes Problem hin.
Was erwartet Loomio in den nächsten fünf Jahren?
Wenn Menschen uns fragen, was die Zukunft für Loomio bereithält, scherzen wir – wobei es eigentlich kein Scherz ist –, dass wir größer als E-Mail werden wollen. Damit meine ich: So wie E-Mail ein Standardprotokoll für den Austausch von Nachrichten ist, möchten wir zu einem Standardprotokoll für Entscheidungen beitragen. Ich hoffe, dass die Idee im Kern von Loomio innerhalb von 5 Jahren für viele Millionen Menschen selbstverständlich ist: dass du dich an Entscheidungen beteiligen können solltest, die dich betreffen.
Du möchtest mehr von Richard hören? Schau dir unten den Vortrag an, den er kürzlich an der Victoria University gehalten hat:
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